Was ein MBSR-Lehrer mitbringen sollte

von Doris Kirch

Vielleicht war es eine persönliche Erfahrung mit der Praxis der Achtsamkeit, die Ihren Wunsch geweckt hat, selbst MBSR-Lehrerin werden zu wollen – und vermutlich haben Sie dabei eine innere Berührtheit gespürt, die Sie nur schwer in Worte fassen können.

Und tatsächlich scheint die Achtsamkeit (und die Art, wie wir sie im Rahmen von MBSR vermitteln), so etwas wie eine „Essenz“ zu beinhalten, die weit davon entfernt ist, Methode oder Technik zu sein.
 

Die buddhistischen Wurzeln des MBSR

Vielleicht liegt das Besondere in der tiefen Weisheit dessen, was der indische Prinz Siddharta Gautama, der spätere Buddha, im Zuge seiner meditativen Einsichten in die Natur des Geistes und des Lebens erfahren hat.

Wenn wir im MBSR und in anderen achtsamkeitsbasierten Interventionen Achtsamkeit lehren, dann schöpfen wir aus dieser Quelle der Weisheit, die seit zweieinhalbtausend Jahren unaufhörlich sprudelt.

Wir vermitteln die Erkenntnisse eines Weges der zu innerer Befreiung führt und den schon Unzählige vor uns gegangen sind, auf eine moderne, säkulare und wissenschaftlich evaluierte Weise. Die Worte, die Pädagogik, die Vorgehensweise und das Curriculum sind unverzichtbare Elemente dieser Vermittlung.
 

Mit dem Herzen das Herz weitergeben

Besonders bedeutungsvoll dabei ist das, was zwischen den Zeilen transportiert wird – das, was nicht gelehrt, nicht mit Worten ausgedrückt werden kann … sondern was aus dem inneren Ozean des eigenen Verständnisses und der eigenen Verwirklichung an der Oberfläche sichtbar wird.

MBSR-Lehrer zu sein heißt, Achtsamkeit zu verkörpern – nicht nur in unseren Kursen, sondern (so gut wir es vermögen) in jeder Sekunde des Lebens. In seinen Kursen und Seminaren „doziert“ ein MBSR-Lehrer nicht und er erklärt seinen Teilnehmern auch nicht, was sie zu tun und zu lassen haben, um ein glückliches Leben zu führen.
 

Achtsamkeit als verkörperte Praxis

Er zeigt seinen Teilnehmern den Weg der Achtsamkeit und spricht aus dem Herzen seiner eigenen Erfahrungen. Er gibt mit seinem Herzen das Herz der Achtsamkeit weiter, diese unaussprechliche Essenz, diese Ahnung vom Wissen um die Dinge. Und er tut dies auf eine ganz spezielle Weise – die wir in unserer Ausbildung vermitteln.

Um die Weisheit der Achtsamkeitspraxis mit solch einer Qualität authentisch und glaubwürdig vermitteln zu können, braucht es viel eigene Praxiserfahrung und ein hohes Maß an Integrität. Fehlt der Vermittlung diese Tiefe, fehlt ihr auch die besondere Qualität, die dafür sorgt, dass sich Menschen von der Achtsamkeitspraxis so sehr berührt fühlen und dass sie den Mut aufbringen, sich auch den schwierigen, schmerzhaften Seiten ihres Lebens zuzuwenden.
 

Lehren ohne Worte – Wirken ohne Tun

MBSR-Lehrer zu sein, bedeutet auf eine bestimmte Weise verwirklicht zu sein. Es bedeutet, authentisch, offen und berührbar zu sein, alle Masken fallenzulassen, sich beim Lehren mit Haut und Haaren einzulassen und aus der Essenz der zahlreichen Dimensionen unseres Menschseins zu schöpfen, die durch Worte allein nicht vermittelt werden kann.

Das bedeutet übrigens nicht, dass ein MBSR-Lehrer „unfehlbar“ wäre; er befindet sich auf dem gleichen Weg und ringt mit den gleichen Hindernissen, wie jeder einzelne seiner Teilnehmer.
 

Voraussetzungen für eine MBSR-Lehrer-Ausbildung

Um die hier angesprochenen Qualitäten entwickeln zu können, braucht es eine Grundlage, auf der wir in der Ausbildung aufbauen können. Die Achtsamkeits-Meditation und die informelle Achtsamkeitspraxis sollten deshalb bereits fester Bestandteil im Leben des Bewerbers sein.


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