Beiträge rund um MBSR

MBSR und ‚Rechtes Reden‘ zur ‚rechten‘ Zeit

„Wenn du sprichst, dann sollte dein Reden besser sein, als dein Schweigen es gewesen wäre“, sagt man im Orient, und die Frage des „rechten Redens“ zur „rechter Zeit“ hat mich im Hinblick auf den kommenden Ausbildungsblock unserer MBSR-Lehrer-Ausbildung beschäftigt.

Von einem MBSR-Lehrer wird ein hohes Maß an Achtsamkeit, also an Bewusstsein für die Prozesse in sich selbst und um sich herum, gefordert. In ganz besonderem Maße bezieht sich das auf das eigene Sprechen. Wer redet, gibt in zweifacher Hinsicht etwas „von sich“ und die Frage, die wir uns als MBSR-Lehrer stellen sollten, bevor wir den Mund öffnen, ist: „Ist das, was ich sagen möchte, reif genug, um es mit anderen zu teilen?“

Machmal ist die Zunge schneller als das Hirn und uns wird erst einen Augenblick später bewusst, dass das Gesagte nicht reif genug war, um es nach außen zu tragen. Unsere Praxis besteht dann darin, diese Tatsache wertfrei und mitfühlend mit uns selbst (und den Zuhörern :))zur Kenntnis zu nehmen.

MBSR-Lehrer zu sein bedeutet nämlich nicht, ‚perfekt’ zu sein. Wir sind keine ‚Gutmenschen’ oder ‚Saubermänner’ in deren Gegenwart sich andere unbehaglich fühlen. MBSR-Lehrer, die so etwas von sich selbst erwarten, kollidieren irgendwann mit der Mauer ihrer eigenen inneren Antreiber und hochgesteckten Erwartungen.

Unsere Achtsamkeitspraxis ist eine Praxis der Milde und Güte, was uns selbst mit einbezieht. Indem wir uns unsere kleinen Schwächen und Fehler verzeihen und humurvoll-nachsichtig mit uns umgehen, sind wir ein lebendiges Beispiel dafür, was es heißt, Achtsamkeit zu üben.

‚Üben’ meint hier nicht, dass wir unzulänglich seien und daran arbeiten, ‚besser’ zu werden, sondern es bedeutet schlicht, dass wir praktizieren. Von Moment zu Moment nehmen wir mit präsenter Wachheit und in einer wertfreien inneren Haltung unser Denken, Fühlen und Handeln wahr und dessen Resultate in unserem Leben.

Und das Reden!? Es ist eine gute Angewohnheit, einen Atemzug lang innezuhalten, sobald wir den Impuls verspüren, etwas sagen zu wollen. Vielleicht füllt unser Gegenüber diesen entstehenden stillen Raum gleich wieder und haben das Gefühl, nicht zum Zuge zu kommen. Dann besinnen wir uns darauf, Vertrauen in den Prozess zu haben: Alles, was gesagt werden muss, wird gesagt werden.

Und um mitzuteilen, was der Mund nicht sagen kann, gibt es hundert stille Wege.

Buchtipp zum Thema: „In Achtsamkeit zueinander finden“, Werner Heidenreich.

MBSR Fortbildung

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Der Seminarort der Ausbildung

Achtsamkeitsretreat des DFME

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