Weshalb wir derzeit keine neuen MBSR-Ausbildungsgänge anbieten

MBSR-Verband Kritik

Mit viel Freude und Enthusiasmus haben wir in den letzten Jahren MBSR-Lehrerinnen und MBSR-Lehrer ausgebildet. Unser Curriculum, unsere Teilnehmerunterlagen und sonstigen Ausbildungsunterlagen haben wir vom MBSR-Verband prüfen lassen und die Anerkennung als MBSR-Ausbildungsinstitut erhalten.

Und wir haben jede der uns vorgelegten 21 Versionen eines Qualitätsmanagements durchgearbeitet, in dessen Zuge es persönliche Treffen (inklusive Reise-, Zeit- und Kostenaufwand), Online-Meetings und Hunderte von E-Mails zu lesen und zu schreiben gab. Das war ein enormer (unbezahlter) Arbeitsaufwand.
 

Wenn aus freiwilligen Verpflichtungen Rechtsverträge werden

Vor kurzem haben wir, die deutschen Institute, nun die 22. Version erhalten. Plötzlich war aus einer freiwilligen Vereinbarung ein anwaltlich ausgearbeiteter Vertrag mit „Haftungsverpflichtungen“ gegenüber dem MBSR-Verband geworden.

Vertrag MBSR-Verband →

Man setzte uns davon in Kenntnis, dass uns unsere Anerkennung aberkannt wird, wenn wir diesen Vertrag nicht unterschreiben und dass wir in diesem Fall von der Internetseite des MBSR-Verbandes entfernt werden.

Neben einigen anderen Instituten haben auch wir diesen Vertrag, der ohne unser Wissen und über unsere Köpfe hinweg ausgearbeitet wurde, trotz dieser Androhung nicht unterschrieben.
 

Making Money

Gelistet werden gemäß der „V22“ künftig ohnehin keine ausbildenden Institute mehr, sondern nur noch einzelne anerkannte Ausbildungsgänge – sofern für diese Listung pro Ausbildungsgang 300 € an den Verband gezahlt wurden. Dieses Geld ist neben dem jährlichen Mitgliedsbeitrag des Institutes in Höhe von 300 € zu erbringen.

Für uns untragbar und seit Jahren angeprangert, ist die Tatsache, dass einige Vorstandsmitglieder (so auch der Vorstandsvorsitzende) sowie Mitglieder in der Fachgruppe Qualitätsmanagement eigene Institute betreiben und somit eine Doppelfunktion als Vorstandsmitglied und als Mitbewerber bekleiden.
 

Ausbilder, die ihre eigenen Institute zertifizieren

Sie haben ihre eigenen Institute zertifiziert. Und da die gesamten Unterlagen und Informationen  ihrer Institutskollegen über ihre Schreibtische gewandert sind, verfügen sie über alle (Backstage-)Informationen ihrer Mitbewerber.

Wir und die übrigen Institute hingegen haben keinerlei Informationen über das Ausbildungsmaterial unserer Kollegen mit der Doppelfunktion. Damit haben sich die entsprechenden Personen einen unberechtigten Wettbewerbsvorteil verschafft.
 

Unberechtigte Wettbewerbsvorteile

Als unmittelbare Konkurrenten entscheiden sie über die Anerkennung ihrer Ausbilder-Kollegen und stülpen ihnen Bedingungen über. Die Fachgruppe Qualitätsmanagement wurde aus dem Umfeld des Vorstands über die Köpfe der übrigen Institutsinhaber hinweg ins Leben gerufen.

Diese Institutsinhaber mit zum Teil sehr langer Ausbildungserfahrung oder langjähriger universitärer Forschungserfahrung wurden nicht zur Gründung dieser Fachgruppe angefragt – was bei einigen Ausbilderkollegen bis heute für Verärgerung sorgt.
 

Unser Brief an den Vorstand des MBSR-Verbandes

In Anbetracht dieser Situation haben wir, namentlich Doris Kirch, am 15.05.2020 eine E-Mail an den MBSR-Verbands-Vorstand geschrieben, dessen Wortlaut wir hier veröffentlichen möchten.

An den Vorstand des MBSR-Verbandes

(…) Ich muss leider sagen, dass mir die letzte Mail des Vorstands schwer im Magen liegt. Von dieser neuen V22 und ihren Inhalten habe ich das erste Mal gehört. Ich habe den Eindruck, der Vorstand hat das alles über den Kopf der Institute hinweg beschlossen (ausgenommen natürlich der Institute, deren Inhaber im Vorstand oder aus alter Loyalität mit ihm verbunden sind).

Ich finde auch die Strategie, sich mit den Ausbildungsankündigungen der Institute die Taschen zu füllen, in keiner Weise ethisch vertretbar.

Es geht nicht mehr darum, dass der Verband seine Mitglieder über anerkannte Ausbildungsinstitute informiert, sondern informiert wird nur noch über den, der zuvor kräftig dafür bezahlt hat. Das macht mich wirklich sprachlos.

Und man erwirkt nicht nur einmal eine Anerkennung, sondern muss alle drei Jahre einen Gang nach Canossa machen. Eine deutliche Machtdemonstration seitens des Vorstands (dem ja einige Mitbewerber angehören – was für mich ebenfalls ethisch nicht vertretbar ist, wie ich seit Jahren betone).

Ich spüre hier Messen mit zweierlei Maß, Enge und eine Gier nach Kontrolle, Macht und Geld. Von anwaltlichen Verträgen ist mittlerweile die Rede, von „gesamtschuldnerischen Haftungen“ usw.

Während meiner Ausbildung am CfM in meinen Zeiten in Amerika mit Jon, Saki, Florence, Lynn, Elena und den anderen Lehrern der ersten MBSR-Stunde habe ich ein wunderbares MBSR kennengelernt, das Freiheit atmete, Selbstbestimmtheit, Sanftheit und Respekt.

Hier in Deutschland spüre ich von dieser Magie nichts mehr.

Das macht mich wirklich traurig. Auch ich bin dafür, die Qualität von MBSR zu schützen. Aber das, was ich in den vergangenen Monaten erlebt habe, hat in mir der Eindruck hinterlassen, dass die Revolution ihre Kinder frisst. Meiner Meinung nach wird hier über das Ziel hinausgeschossen.

Ich erkenne das unermüdliche Engagement und den immensen Arbeitseinsatz der Kollegen an, die bestimmt nur das Beste für MBSR im Sinn haben. Bei allem Respekt glaube ich, dass darüber eine gesunde Distanz zum Projekt des Qualitätsmanagements verlorengegangen ist.

Im Moment macht mir das gerade keine Freude mehr. MBSR wird für mich immer mehr zur Verpflichtung an so vielen Stellen. Das fühlt sich einfach schlecht an. Mir geht es in erster Linie darum, den Dhamma zu lehren und nicht „vier Buchstaben“. Weisheit, Mitgefühl und Liebe zu vermitteln, darauf möchte ich mich konzentrieren und darauf möchte ich meine Zeit verwenden. Nicht darauf, überambitionierte Regularien eines Verbandes zu erfüllen.

Deshalb halten wir uns zunächst noch zurück (Anm.: mit der Unterzeichnung des Vertrages) und lauschen dem Lied der Wandlung, wie ich so gerne sage. Wir warten ab, wie die Dinge sich entwickeln und ob etwas Heilsames dabei herauskommt. (…)
 

Den Markt „bereinigen“

Neben ARBOR-Seminare, Deutschlands größtem Anbieter von achtsamkeitsbasierten Fortbildungen, die seit vielen Jahren mit viel Herzblut und Kompetenz Achtsamkeit lehren, haben nun auch wir „das Handtuch geschmissen“. Wir möchten nicht länger Teil dieses unerfreulichen zeit- und nervenaufreibenden Prozesses sein.

Mit Blick auf die Fakten fragen wir uns, ob hier der Markt der MBSR-Lehrer-Ausbildungen „bereinigt“ wird. Wirkt man so lange restriktiv auf die Institute ein, bis eines nach dem anderen zermürbt aufgibt und am Ende nur noch die Institute der Vorstandsmitglieder und ehemaligen Vorstandsmitglieder des MBSR-Verbandes übrigbleiben?

Das wäre tatsächlich der Fall, wenn nicht einige Ausbilderkollegen mit unbeirrbarer Engergie versuchen würden, die Situation zum Positiven zu wenden. Was uns anbelangt, fühlen wir uns dazu nicht berufen, wie Doris in unserem obigen Schreiben deutlich macht.  

In Achtsamkeit und Mitgefühl bleiben

Die Vorgehensweisen und der zum Teil scharfe Ton seitens des MBSR-Vorstandes einigen Institutskollegen gegenüber entspricht nicht unserem Verständnis von Ethik, achtsamer Kommunikation und wertschätzendem Miteinander.

Achtsamkeit
 

Ab jetzt sind wir Mitglied im ÖFAM

Aus den vorgenannten Gründen sind wir aus dem deutschen MBSR-Verband ausgetreten und dem freiheitlichen und lebendigen Dachverband der Verbände für Achtsamkeit und Mindfulness in Deutschland, Österreich und der Schweiz beigetreten.
 

ÖBAM, VFAM, AHMS


Achtsamkeit und Mitgefühl gemäß ihren buddhistischen Wurzeln lernen

Letztlich gab es noch einen fachlichen Grund für unsere Entscheidung, vorerst keine neuen Ausbildungstermine anzusetzen. Im Hinblick auf Stressbewältigung und Resilienzförderung ist MBSR das beste Modell, das wir in unserer über 20-jährigen Tätigkeit kennengelernt haben.

Um Achtsamkeit und Mitgefühl jedoch in direkter Anbindung an ihre buddhistischen Wurzeln zu lernen und zu lehren, sind anderthalb Jahre (30 Ausbildungstage) nach unserer Erfahrung zu wenig – weshalb unsere Achtsamkeitstrainer-Ausbildung auch zweieinhalb Jahre (50 Ausbildungstage zuzüglich einem 8-tägigen Achtsamkeits-Retreat) dauert.

Achtsamkeitstrainer Ausbildung