Beiträge rund um MBSR

Achtsamkeitstag: Eine stille Auszeit

Eine Betrachtung von Achtsamkeitslehrerin Doris Kirch

Es ist früher Morgen. Die Vögel singen; sonst ist alles still. Auch in mir. In der frühen Morgenmeditation habe ich mich auf den Achtsamkeitstag vorbereitet, den ich heute anleiten werde.

Einige Teilnehmer kenne ich bereits, die meisten jedoch nicht. Wir werden auch nicht viel Gelegenheit haben, uns auf einer „sozial-normalen“ Ebene kennenzulernen, denn wir kommen zusammen, um schweigend Achtsamkeit praktizieren.

Menschen, die sich vorher noch nie gesehen haben, kommen zusammen, um einen ganzen Tag lang im Schweigen achtsam zu sein: Sitzmedition, Gehmeditation, Bodyscan und achtsam Essen.

„Fremd“ bleibt man sich jedoch nicht, denn die Stille öffnet einen Raum, in welchem alle Teilnehmer auf einer tieferen Ebene als im Alltag miteinander verbunden sind. Das wird deutlich, als wir gegen Abend das Schweigen aufheben, um uns über die Erfahrungen des Tages auszutauschen. Blickt man sich dann um und schaut in die Augen der anderen, ist das mit dem warmen Gefühl verbunden, in die Augen von Freunden zu blicken.

„Man kann nicht nicht kommunizieren“, stellte Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick einst fest. Und wer mit anderen gemeinsam schweigt, kann genau diese Erfahrung machen: Es findet durchaus eine Kommunikation statt – nur auf einer anderen Ebene, die sehr viel mehr Verbundenheit schafft, als das gesprochene Wort, das oft so viel zerstört.

‚Wenn du redest, sollte dein Reden besser sein, als dein Schweigen des gewesen wäre‘, sagt ein Sprichwort aus dem Morgenland. Sich öfter mal ins Schweigen zurückzuziehen, hilft dabei, sich im Alltag seiner Worte bewusster zu werden.

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